Stress lass nach

Das erste Quartal 2021 ist vorbei, der April ist da. Nichts geworden mit einem geplanten Blog-Post pro Monat beim Captain. Und genau das versetzt mich dieses Mal so gar nicht in Stress. Wäre vor ein paar Monaten noch passiert. Klingt nicht weiter erwähnenswert, ist es für mich aber. Denn Stress und seine Folgen sowie seine Vermeidung waren die letzten Monate Thema bei mir.

Wie passend, dass der April zumindest im englischsprachigen Raum seit 1992 offiziell der #StressAwarenessMonth ist – ein Monat also, der das öffentliche Bewusstsein für die Ursachen von Stress und dessen Bekämpfung herstellen und schärfen soll.

Stress und was man dagegen tun kann

Für jeden sind diese Ursachen und der Umgang mit Stress anders und jeder von uns hat sicherlich andere Bereiche, wo sich Stress besonders bemerkbar macht. Ich nehme dich heute mit auf die kleine Reise, auf der ich die letzten Monate unterwegs war und gebe dir Tipps, wie auch du mehr Bewusstsein für Stressfaktoren und wirksame Gegenmittel schaffen kannst.

Frühjahrsputz für Geist und Seele

Man kennt das ja, die Sonne kommt häufiger raus, um halb 5 ist es draussen noch nicht dunkel, die Lebensgeister – vor kurzem noch im Winterschlaf – kommen zurück. Da will man dann auch zu Hause „Großreinmachen“.  Der gute, alte Frühjahrsputz.

Dieses Jahr lief das bei mir etwas anders. Daher geht es in diesem Beitrag nicht darum, wie man den perfekten Frühjahrsputz im Haus hinlegt, sondern in einem selbst – quasi Frühjahrsputz für Geist und Seele.

Wie kam ich überhaupt dazu? Nun, ich sah mich selbst zu Beginn des Jahres mit einem großen Ungleichgewicht meines Energiehaushaltes konfrontiert. Das schlug sich natürlich körperlich nieder, aber eben auch geistig. Sonst viele Gedanken, Ideen und Aufgaben gleichzeitig im Kopf, alles erledigend, ging plötzlich nichts mehr. Kleinste Aufgaben waren plötzlich Mammut-Projekte, ich war körperlich häufig erschöpft und es war klar: Erstmal müssen die Akkus wieder aufgeladen werden.

Wenn die Erschöpfung alles blockiert

Dann kamen Fragen auf wie: Warum fühlst du dich nicht nur arbeitstechnisch so erschöpft, sondern auch in deiner Freizeit, die derzeit ja mehr als noch vor einem guten Jahr geprägt ist von deutlich weniger Möglichkeiten, Terminen, Treffen, Aktivitäten? Und das Ganze dann immer garniert mit einem „Wieso sind wertvolle Gewohnheiten in den letzten 12 Monate immer mehr aus dem Fokus geraten?“ und „Wie bekomme ich alle Dinge mehr in Balance?“.
Schwierige Fragen und es bedurfte einiger Selbstreflexion, um mir selbst und auch möglichen Problemlösungen auf die Schliche zu kommen.

Sei ein Seemann: Versuche nicht, Wind und Wetter zu ändern, sondern richte dein Segel!

Teles von Megara

Was habe ich gemacht, um der Stressfalle zu entkommen?

Erstmal den Druck rausnehmen – das wollen wir so oft und doch schafft man es manchmal nur, wenn der Warnschuss kommt und wirklich erstmal nicht mehr so viel geht. Denn ohne Akku geht mal nichts.

Dann ein prüfender Blick auf den Energiehaushalt. Ein Thema, das gerade sehr viele Menschen umtreibt, mit denen ich spreche. Also einfach mal notiert, was mir Energie raubt und was mir Energie gibt und direkt dazu, wie ich Energieräuber minimieren oder abschalten kann und wie ich Energiespendern mehr Raum geben und sie möglicherweise verstärken kann.

Daraus konnte ich dann tatsächlich ableiten, wo ich verstärkt draufschauen muss, konnte Themenbereiche identifizieren, (neue) Gewohnheiten formulieren, die mir halfen, dass der Energiehaushalt wieder mehr ins Gleichgewicht kommen kann und ich alle Dinge, die mir wichtig sind – egal ob beruflich oder privat – in Balance halten kann. Alles soll stattfinden können und ausreichend Raum bekommen.

Und so kann so etwas aussehen:

  • Energieräuber (Was raubt mir Energie?)
  • Thema
  • Wie stark raubt es mir Energie?
  • Was kann ich dagegen tun?
  • Was mache ich als nächstes? (Denke hier in kleinen Schritten!)

bzw. für Energiespender entsprechend:

  • Energiespender (Was gibt mir Energie?)
  • Thema
  • Wie viel Energie gibt es mir?
  • Wie kann ich dafür mehr Raum schaffen?
  • Was mache ich als nächstes? (Denke auch hier in kleinen Schritten!)

Was brauche ich wirklich? Minimalismus lässt grüßen.

Da ich Struktur und Einfachheit liebe (Überraschung!), war der Weg, diverse Tools zu recherchieren, die mich auf diesem Weg unterstützen können, nicht weit. Gewohnheits-Tracker, ToDo-Listen, Dankbarkeitsjournal und und und.

Die Welt der Apps, Tools und Programme, die einem hier die optimale Lösung versprechen, ist groß und reichlich unübersichtlich. Es soll hier aber weniger drum gehen, für was genau ich mich da nach diversen Recherchen und Testphasen entschieden habe, denn jeder braucht da andere Hilfsmittel und Wege.

Es geht darum, draufzuschauen, was ist und was sein soll. Was steht regelmäßig an? Wo möchte ich Gewohnheiten etablieren und ausbauen? Wie kann ich mich so organisieren, dass alles seinen Raum und seine Zeit bekommt? Allein die Beschäftigung mit der Frage „Was brauche ich wirklich?“ (und das kennt man ja aus dem Umfeld des Minimalismus sehr gut), hilft hier enorm weiter und ist sicherlich auch etwas, was wachsen muss. Da empfehle ich nicht nur einen kurzen Blick oder mal eine Stunde am Abend, die man sich dafür Zeit nimmt. Lass die Sachen wirken, lass sie sich entwickeln!

Hier gilt genau wie im Zuhause: Wirf schlechte, überholte, nicht mehr benötigte Dinge über Bord. Gerümpel braucht man weder im Außen noch im Innen.

Was hat das denn alles nun mit Stress zu tun?

Manchen Stress kann man nicht ganz vermeiden – die enge Zeitplanung bei beruflichen Projekten, die Arbeitsbelastung, das manchmal fordernde Familienleben, die kleinen und großen Katastrophen des Alltags. Also ist die Frage: Wie kann man besser damit umgehen? Welche Voraussetzungen helfen, dass man nicht so schnell aus dem Gleichgewicht kommt? Und wie bekommt man stressfrei seinen Alltag geregelt und erledigt?

Was kannst du tun, wenn du dich antriebslos, unausgeglichen oder gestresst fühlst?

1. Erkenne deinen momentanen Zustand an

  • Es ist vollkommen ok, wenn es dir gerade nicht so gut geht. Auch wenn Alltag weitergeht, wird in Zeiten einer Pandemie das „ganz normale Leben“ mal eben auf den Kopf gestellt. Man muss akzeptieren, dass man deutlich weniger Kontrolle über sein tägliches Leben hat und man nicht genau weiß, ob und wann das Leben wieder „so wie früher“ wird.
  • Bisherige Dinge, die gerne den Stress abgebaut haben wie Treffen mit Familienmitgliedern und Freunde, Reisen, Konzertbesuche, Essen gehen etc. sind derzeit nicht oder nicht ohne weiteres möglich. Hier empfehle ich zum Weiterlesen diesen Artikel.
  • Und selbst ohne die aktuellen Umstände, gilt es zu akzeptieren, dass es einem so geht, wie es einem geht. Wichtige Signale des Körpers muss man ernst nehmen. Dazu gehört eben auch Stress und Erschöpfung. Mach dir nicht noch zusätzlichen Stress, in dem du dagegen ankämpfst, dass du doch alles im Griff haben solltest.

2. Schau auf deinen Energiehaushalt

  • Mach dir erstmal klar, was deine Energieräuber sind und was deine Energiespender. Dazu reicht eine einfach Liste, die du runterschreibst.
  • Schau dir an, wo die Energie hingeht und wo sie herkommt, welchen Lebensbereich das jeweils betrifft (Arbeit, Gesundheit, Familie, Partnerschaft, Zuhause etc.) und versuche grob einzuschätzen wie stark dieser Energieräuber bzw. -spender ist – das hilft dir später besser einschätzen zu können, wo du besonders hinschauen solltest und wo du den größten Effekt erzielen kannst.
  • Überlege dir in einem weiteren Schritt, was du dafür oder dagegen tun kannst. Was sind kleine nächste Schritte, die dafür sorgen, dass ein Energieräuber seine Kraft genommen bekommt oder ein Energiespender mehr Raum zum Wirken bekommt.

3. Finde DEINE Gewohnheiten

  • Frage dich, was du in deinem Alltag etablieren willst – das kann alles sein von mehr Lesen, ausreichend Wasser trinken über mindestens einmal am Tag rausgehen bis hin zu einem kleinen regelmäßigen Workout.
  • Kannst du neue Gewohnheiten aus deiner Energieliste ableiten? Gibt es hier Dinge, die dir Energie geben (oder Energieräuber stoppen würden) und die du regelmäßig in deine Woche integrieren möchtest?

4. Hol dir Hilfe bei der Umsetzung

  • Ein schönes Notizbuch, eine einfache Liste auf Papier oder digital, Apps zum Tracken von Gewohnheiten oder Erfassen von Aufgaben – was auch immer dir hilft und nicht noch mehr Stress verursacht. Wichtig ist, dass es dir einfach fällt, am Ball zu bleiben.
  • Für mich als sehr digitalen Menschen tut es gerade die Kombination aus einem Aufgaben- und Gewohnheitstracker und einem digitalen Dankbarkeitsjournal, auf das ich von überall über mein Smartphone zugreifen kann und das es mir persönlich deutlich einfacher macht als einmal am Tag in ein Buch einzutragen, was mir gut getan hat an diesem Tag oder wofür ich dankbar bin. Das kann für dich ganz anders aussehen.
  • Und natürlich: Sprich mit anderen darüber – Austausch kann immer auch helfen, die eigenen Gedanken zu sortieren, neue Impulse zu erhalten, Überflüssiges über Bord zu werfen.

5. Gehe in kleinen Schritten voran

  • Gestalte alle Schritte so klein wie möglich. Steigern kannst du dich immer. Aber wer sich gleich zu Beginn vornimmt, ab sofort jeden Tag morgens Yoga zu machen, obwohl er das bisher noch nicht getan hat, schafft sich unter Umständen einen neuen Stressfaktor – obwohl man damit ja den Stress bekämpfen wollte.
  • Überlege dir immer, was der nächste kleine Schritt ist – plane nicht bis zum Ende durch und setze damit die Hürden möglichst klein.
  • Vergiss nicht: Ein kleiner Schritt ist mehr als gar keinen Schritt machen.

6. Probiere aus, wirf über Bord, denke neu

  • Beobachte dich und ändere Dinge, die nicht funktionieren. Hier verhält es sich genauso wie in deinem Zuhause: Wenn das System, mit dem du zum Beispiel deinen Küchenschrank eingeräumt hast, nicht deinen Abläufen beim Kochen entspricht, dann wirst du auf Dauer die neue Ordnung in der Küche nicht halten können. Es muss zu dir und deinem Alltag passen.
  • Wichtig also: Schau in regelmäßigen Abständen drauf, was gut funktioniert und was eventuell noch nicht. Ich nehme mir dafür beispielsweise einmal die Woche sonntagsnachmittags eine knappe halbe Stunde Zeit, um zu schauen, wie es mir mit Blick auf die vergangene Woche ging und geht.
  • Dinge zu ändern ist jederzeit erlaubt.

Fokussiere all deine Energie nicht auf das Bekämpfen des Alten, sondern auf das Erschaffen des Neuen.

Sokrates

Möglicherweise sieht deine Reise etwas anders aus und auch wenn nur ein paar Punkte hier für dich so anwendbar sind – es gilt: Alles ist erlaubt, wenn es dir hilft, mehr in Balance zu kommen. Wichtig beim Aufräumen im Innen – wie auch beim Aufräumen im Außen: Fang an, gehe kleine Schritte, nimm jeden Fortschritt wahr und freue dich darüber.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare